Auf anderen Wegen

Samstag, 19.09.2020 Nachtschicht-Eulen

Ein weiteres Mal sitze ich mit meinem Kaffee in der Sonne und schreibe euch ein Update von unserem Leben. Momentan kann man jede Woche spüren, wie es wärmer wird und die Tage werden länger. Heute morgen ist es zwar windig, aber der Wind ist angenehm warm. Es ist richtig schön auf unserer eigenen Terrasse zu sitzen, Kaffee aus meiner eigenen (Weltkarten-) Tasse zu trinken und die drei Hühner zu meinen Füßen sitzen zu haben, während sie genüsslich ihr Gefieder putzen und ab und zu zufriedene Gurrlaute von sich geben. Die ganze Woche haben wir wieder in Casterton verbracht und dabei auch noch nachts gearbeitet. Da kommt mir ein warmer Morgen Zuhause vor wie das Paradies. Ich weiß natürlich, dass viele Menschen Nachtschicht arbeiten und auch immer wieder Arbeitszeiten wechseln. Für mich ist es jetzt das erste Mal, dass ich abends nicht zu meiner eigenen Zeit ins Bett kann und ich finde es wirklich anstrengend. Wir sind meistens gegen drei Uhr morgens im Bett in der Unterkunft - und während ich bei Frühschicht locker auf meine 8-10 Stunden Schlaf komme, bin ich bei der Spätschicht meistens um spätestens halb neun wach. Verrückt - als teenager wären diese Arbeitszeiten ja mein Traum gewesen. Bis mittags schlafen, die ganze Nacht wach sein... aber jetzt werde ich sehr garstig, wenn mein Schlafrhythmus verändert wird. Ich genieße allerdings die Gelegenheit, morgens in Casterton am Bach spazieren zu gehen. Die wilden Lilien blühen in voller Pracht und die Vögel sind aktiv wie nie. Verschiedenste Sittiche und Loris, Kakadus und alle möglichen anderen gefiederten Freunde brüten und ziehen ihre Junge auf. Ich kann mich auch nach den Jahren nicht satt sehen an unserer Natur hier in Australien. 

An den Wochenenden verbringen wir weiterhin den Großteil der Zeit Zuhause und versuchen, unser Haus zu optimieren wo wir können. Vor zwei Wochen haben wir uns die Waschküche vorgenommen, die gleichzeitig der hintere Eingang unseres Hauses ist. Dadurch, dass die Häuser hier auf hölzernen Stelzen stehen, gibt es immer wieder kleinere Risse in den Wänden. Der Vorbesitzer hat einige dieser Risse auch ausgefüllt, aber das Material weder abgeschliffen, noch überstrichen. Das Ergebnis war eine hell-ockerfarbene Waschküche mit unregelmäßigen Flecken hier und da an der Wand. Zusätzlich ist die Tür und Rahmen sowohl innen als auch außen völlig zerkratzt, und an den Kanten ausgebrochen. Die Tür war uns schon lange ein Dorn im Auge und nachdem wir eine Hälfte der Waschküche weiß gestrichen hatten, haben wir uns entschieden die Hälfte, die an die Tür angrenzt erstmal so zu lassen, wie sie ist und haben stattdessen einen Türbauer kommen lassen, der uns eine neue massive und schöne Tür einbauen soll. Nun, auf den Kostenvoranschlag warten wir jetzt schon eine ganze Weile. Handwerker UND Australier - das kann ja nur dauern ;-) 

Letztes Wochenende war es sehr windig und sonnig. Typisch australisches Wetter. Und da meine Obstbäume alle noch sehr jung sind und daher ein bißchen windempfindlich, habe ich viel Zeit damit verbracht eiserne Stangen in den Boden zu hämmern und einen Windschutz anzubringen, der auch Schatten spendet. Ihr werdet es mir nicht glauben - aber am nächsten Tag hat der Wind gedreht und kommt seither aus der anderen Richtung. Das erste Mal, seit wir hier wohnen. Ich kann es nach wie vor nicht fassen, aber werde erstmal ein paar Wochen abwarten, bevor ich mir die ganze Arbeit noch einmal mache. 

Unsere Chickensitter Peter und Lorraine haben uns letzte Woche erzählt, dass einer der Nachbarn jetzt zunehmend Besuch von unseren Mädels bekommt. Ich bin immer besorgt ob die Nachbarn sich von den dreien gestört fühlen. Wir haben daher sechs Eier eingepackt und sind zu Robert, der zwar gegenüber von uns wohnt, den wir aber bisher höchstens mal von weitem gesehen haben. Eigentlich wollten wir uns für die Mädels entschuldigen, aber er hat sofort angefangen, ganz begeistert zu erzählen wie sie auf seiner Terrasse sitzen und sich in der Sonne ausbreiten. Ein richtig netter Mann. Wir haben ihm noch den Hinweis gegeben, besser keine Autotüren offen zu lassen. Aus unersichtlichen Gründen scheint es nichts verlockenderes zu geben, als im Fußraum eines Autos zu sitzen. An seiner Reaktion konnten wir aber erahnen, dass er zu diesem Schluß auch schon selbst gekommen war. Oh man, wir haben wirklich Glück, dass alle unsere Nachbarn so tierlieb sind!!

Troy und ich haben übrigens die Angewohnheit, songs in hühnertaugliche Texte umzuwandeln:

"She is the perching queen, young and sweet with her pecking beak"

"all the single chickens, all the single chickens, put your wing up"

"you are my chicken, my only chicken"

ich glaube wir haben wirklich Glück, dass nur sehr selten Menschen an unserem Grundstück vorbei kommen ;-)

Seit Mittwoch sind hier einige Corona Maßnahmen gelockert worden. Wir dürfen jetzt tatsächlich wieder Gäste empfangen und das Haus ohne triftigen Grund verlassen. Endlich normalisiert sich zumindest ein Teil des Alltags. 

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Freitag, 21.08.2020 Frühlingsgefühle

Eine weitere Arbeitswoche ist um und nach 14 Stunden Arbeit sind wir gestern Abend ganz erschöpft nach Hause gekommen. Die Woche war getränkt von wasserfallartigem Regen abwechselnd mit strahlendem Sonnenschein. Richtiges Aprilwetter, nur, dass unser April im August stattfindet. Heute morgen stand wie immer erstmal ein Rundgang durch meinen Garten an. Ich habe das Gefühl über Nacht verändert sich alles - erst recht über die 4 Tage Abwesenheit unter der Woche. Meine Obstbäume bekommen langsam Blätter und Knospen, unsere Zierkirschen sind jetzt nicht nur in voller Pracht mit ihren kleinen weißen Blüten, sondern erstrahlen zusätzlich mit ihren frisch-grünen Blättern. Meine gesähten Gemüsesorten schießen in die Höhe und sogar meine bisher eher kränkliche Passionsfrucht klettert fleißig ihr Drahtseil hoch. Ich war nie wirklich ein Gärtner, aber die Kombination aus angelegtem Garten der meiner Liebe bedarf und bei gepflanzter Dinge erfüllt mich richtig mit Freude. 

Letzte Woche haben wir uns dem hinteren Tor unseres Grundstücks gewidmet. Es ist gesäumt mit zwei hohen schmalen Bäumen, die zwar gerade noch kahl sind, aber im Sommer hellgrüne Blätter tragen. Um diese Bäume herum hat einer der Vorbesitzer eine einheimische Art der Schwertlilien gepflanzt, die zwar im Sommer schöne weiße Blüten trägt, aber sich außerdem ausbreitet wie ein Unkraut. Ich muß zugeben, wir haben dieser Seite des Grundstücks bisher wenig Beachtung geschenkt - bis unser Nachbar mal dezent die Pflanzen, die durch seinen Zaun gewachsen sind, vergiftet hat. Ohje, wir hatten schon ein schlechtes Gewissen, dass wir sie nicht in Schach gehalten haben. Da ich in meinem Garten kein Gift möchte (auch hier haben die Insekten schon genug zu kämpfen) haben wir letztes Wochenende stundenlang diese Pflanzen ausgebuddelt - sehr zur Freude unserer Hühner, die fleißig geholfen haben und sämtliche Würmer aus unserem Weg geräumt haben. Anna scheint ein sehr großes Vertrauen in unsere Präzision zu haben, denn ohne viel Vorsicht taucht sie immer wieder direkt vor dem zustechenden Spaten auf, um auf jeden Fall die erste zu sein. All die Pflanzen sind jetzt auf einem riesigen Haufen aufgetürmt und alle zwei Wochen, wenn unsere grüne Tonne geleert wird, wird er ein bißchen schrumpfen. 

Letztes Wochenende war es eher kalt und regnerisch - und wenn unsere Mädels dann auf der Terrasse sind, lassen wir gerne die Tür zur Waschküche auf. Meistens verlieren die drei schnell das Interesse und gehen zu den Nachbarn, um zu sehen ob sie dort ein zweites Frühstück abstauben können (klappt immer). Freitags hörte ich aber, während ich in der Küche gewerkelt habe, immer wieder ein angestrengtes Gackern von nebenan. Nach einer Weile bin ich mal nachsehen gegangen, nur um Elsa gemütlichst in unserem Wäschekorb sitzen zu sehen, wo sie eindeutig versuchte, ein Ei zu legen. Mal hier und da an den Wäschestücken gezogen, um es gemütlicher zu drapieren und sah mich mit großen Augen an, da sie die Störung überhaupt nicht zu schätzen wusste. Als Frau kann ich nur verstehen, dass sie es so gemütlich wie möglich haben möchte, wenn sie schon täglich diese Anstrengung aushalten muss und habe sie in Ruhe gelassen. Am nächsten Tag hat sie so lange vor der Tür gegackert, bis Troy Mitleid hatte und sie zu ihrem heiß geliebten Korb gelassen, wo sie gleich zur Sache gekommen ist. Es tat uns fast leid, dass wir ihr den Korb unter der Woche nicht zur Verfügung stellen konnten - aber erstens geht das dann vielleicht doch etwas zu weit und zweitens braucht sie Hilfe um nach vollendeter Tat das Nest wieder zu verlassen. Jetzt scheint sie zum Glück wieder mit ihrem Stroh im Gehege zufrieden zu sein, wie ein normales Huhn 🐔 

Die Tage auf der Arbeit gestalten sich weiterhin sehr anstrengend. Mit den Covid-Restriktionen gibt es in Casterton nur wenig Ablenkung und durch unsere Unterkunft in der Pension auch wenig Privatsphäre. Der Inhaber möchte sich um uns kümmern und versteht unsere Andeutungen nur langsam, dass wir nach einem langen Arbeitstag kein Smalltalk betreiben möchten, sondern einfach entspannen wollen. Wenigstens müssen wir die Unterkunft weiterhin nicht teilen, Covid-19 hat also trotz allem auch seine Vorteile. Trotzdem hoffe ich, dass sich alles bald beruhigt und ich endlich wieder deutschen Boden küssen kann! <3

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Montag, 27.07.2020 Christmas in July

Frohe Weihnachten ihr Lieben! Ja, hier wird tatsächlich Christmas in July von vielen gefeiert, weil im Dezember zwar die Feiertage sind, aber Weihnachten im Hochsommer einfach nicht viel mit Rentieren und Nordpol zu tun hat. Besonders die europäischen Familien nutzen die Zeit um Weihnachtsplätzchen zu backen und Glühwein zu trinken. Ich habe mich bisher zurück gehalten - ich backe ja eigentlich das ganze Jahr über, aber der Herrnhuter Stern, den ich zu Weihnachten bekommen hatte, hängt im Wohnzimmer und leuchtet oft den ganzen Tag, wenn das Wetter düster ist. Oft sind unsere Vorgänge zugezogen um ein bißchen mehr Isolierung zu erreichen und dann ist es tatsächlich eine richtig winterliche Stimmung. Der Winter hier fühlt sich allerdings momentan eher an wie Frühling - tagsüber haben wir oft strahlenden Sonnenschein und wenn man nicht grade im Schatten steht fühlt es sich locker an wie 20° C, nur über Nacht haben wir Temperaturen um den Gefrierpunkt. An solchen Tagen ist es im Haus oft kälter als draußen, wenn wir die Stromrechnung entlasten wollen und die elektrische Heizung ausgeschaltet lassen. Das Wochenende haben wir fast komplett im Garten und auf der Terrasse verbracht - sehr zur Freude unserer Hühner, die jeden Handschlag den wir im Garten erledigen mit Adleraugen verfolgen und mit habichtartiger Präzision jedes ahnungslose Insekt verschlingen, das unvorsichtig genug ist präsent zu sein. 

Obwohl Winter ist, blühen hier momentan unheimlich viele Bäume und Wiesenblumen. Manchmal kann ich mich an den sonnigen Tagen gar nicht satt sehen an den intensiven Farben. Im Sommer ist ja hier alles eher trocken, umso mehr explodiert die Natur momentan in grün, pink und weiß. Wir haben viel Zeit damit verbracht das vorhandene Gemüsebeet zum Hochbeet aufzustocken, es fehlen nur noch ein paar Ladungen Erde. Gestern habe ich Unmengen trockener Blätter zusammen gefegt und auf die erste Schicht Erde verteilt. Natürlich unterstützt von 3 tatkräftigen Paar Füße, die sicherlich überzeugt sind, dass Gartenarbeit nur zu ihrer Unterhaltung geschieht. Wenn ich an einer besonders guten Stelle arbeite, muss ich richtig aufpassen kein Huhn mit aufzufegen, weil Anna regelrecht unter den Rechen kriecht um die Erste an der Quelle der Superkäfer zu sein. Wenn ein Haufen Blätter zusammen gefegt ist, ist es quasi ein Wettlauf mit der Zeit, die Blätter an ihren Bestimmungsort zu bringen, da andernfalls nochmal schnell inspiziert wird, ob nicht ein Käfer übersehen wurde - und dann kann ich eigentlich wieder von vorne anfangen mit dem Rechen. Ich habe es bisher nicht übers Herz gebracht den Mädels zu gestehen, dass sie nicht wirklich eine Hilfe sind. 

Dieses Wochenende hatte ich Besuch von einer Frau in meinem Alter, die mir von meiner ehemaligen Nachbarin vermittelt wurde. Sanne kommt aus Holland, ist in meinem Alter, seit 2 Jahren in Australien und sucht nach einem Weg, hier zu bleiben. Es war richtig schön nochmal mit jemandem zu sprechen, der in einer ähnlichen Situation ist wie ich. Sie war ganz begeistert von unserem Grundstück und auch von den Mädels, die sich von ihrer besten Seite gezeigt haben - bis zu dem Zeitpunkt als wir an ihrem Auto standen und sie noch nicht eingestiegen ist, weil wir kein Ende gefunden haben. Ein offenes Auto - da vergisst man als Huhn gerne mal die Manieren. Als erstes hüpfte Bacardi in die Tür. Während ich sie raus pflückte versuchte Anna ihr Glück und nachdem Elsa es auch noch versucht hatte, ist Sanne dann endlich selbst eingestiegen und gefahren. Es war aber auch gar kein so gutes Auto - da waren weit und breit keine Krümel zu sehen!!

Die gesamte letzte Woche haben wir in einem kleinen Ort namens Casterton verbracht. Unsere super tollen Nachbarn haben nicht nur unsere Mädels versorgt, sondern auch Post für uns abgeholt und allgemein nach dem Rechten gesehen. Mit Peter und Lorraine haben wir wirklich einen einmaligen Glücksgriff getan, zumal sie mindestens ebenso verliebt in unsere Haustiere sind wie wir selber. Nach der langen Pause des woodchipping hat unsere Firma uns jedenfalls eine Unterkunft organisiert und wir haben die Produktion wieder aufgenommen. Der Rest unserer Crew teilt sich ein Haus, Troy und ich haben ein Zimmer in einem Airbnb in der gleichen Straße. Das Haus in dem wir gewohnt haben ist historisch (also was hier so historisch ist, ca 100 Jahre alt) und wurde von den Eigentümern sehr liebevoll renoviert und eingerichtet. Man hat tatsächlich ein bißchen das Gefühl in der Zeit zu reisen, wenn man dort ist und einen Wein auf den Chesterfield Sofas trinkt bevor man ins Bett geht. Zuerst war das arrangement ein bißchen gewöhnungsbedürftig, da in dem Gebäude 6 Zimmer vermietet werden und dabei in der Mitte eine Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsraum ist, den wir durchqueren müssen, um zu unserem privaten Bad zu kommen. Eine etwas merkwürdige Aufteilung. Außerdem begann unser Tag letzte Woche sehr früh und wir sind dementsprechend früh ins Bett gegangen - eine andere Crew hatte aber mit ein paar drinks im Gemeinschaftsraum mit Football eine gute Zeit und infolge der historischen hohen Decken war die Lautstärke für uns sehr unangenehm. Nach mehrmaligem bitten, die Lautstärke herunter zu fahren haben wir in der ersten Nacht nicht viel Schlaf bekommen - aber zum Glück war das nur eine Nacht. Der Besitzer des AirBnb hat uns für die folgende Woche einen privateren Bereich im hinteren Teil des Hauses versprochen. Wir sind allerdings heute morgen (wohlgemerkt hat der Wecker um 2:30 geklingelt) zu der Nachricht aufgewacht, dass der Industriehafen wegen der 2. Welle Covid-19 geschlossen ist und wir daher nicht arbeiten können. Wir werden später am Tag nach Portland zum Hauptsitz unserer Firma fahren und hoffentlich mehr Details bekommen, wie es die nächsten Wochen weiter geht. 

In Australien allgemein hatte sich die Corona- Lage inzwischen größtenteils beruhigt. Leider hat sich nachdem viele Maßnahmen gelockert wurden besonders in Melbourne ein zweiter Schub eingestellt und momentan werden meist knapp 500 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Wie ihr wisst wohne ich in Victoria, dem Bundesstaat von Melbourne. Melbourne ist inzwischen wieder im lockdown und es herrscht die Regel "keiner rein, keiner raus". Sämtliche Bundesstaaten haben die Grenzen zu uns dicht gemacht, man kann Victoria nur mit Ausnahmegenehmigung verlassen. Hamilton hatte bisher keine weiteren Fälle, aber in den umliegenden nächsten Städten Portland, Warnambool und Horsham häufen sich die Einzelfälle. Das ist ca 100 km Umkreis, was sich zwar weit anhört, aber hier tatsächlich nur ein Katzensprung ist. Viele Menschen pendeln täglich (wie ich ja auch, bevor wir wieder angefangen hatten zu produzieren). Es bleibt also spannend. Seit letzter Woche mussten wir auch auf der Arbeit eine Make tragen. Das Gefühl des doomsday hat sich wieder mit jedem Tag verstärkt. Leider ist es nach aktuellem Stand auch sehr unwahrscheinlich, dass internationale Reisen im regulären Maße vor Mitte nächsten Jahres wieder möglich sein werden. Australien wird seine Grenzen erst wieder öffnen, wenn sich die weltweite Lage weitestgehend beruhigt hat und eine Impfung verfügbar ist. Es ist sehr schwer, sich damit abzufinden. Der Hund meiner Eltern ist Anfang der Woche gestorben. Meinem Vater ging es nicht so gut. Meine kleine Schwester ist schwanger. All die Momente, in denen ich gerne da wäre. Meistens kann ich mich gut mit der Situation abfinden, aber die Ungewissheit, wann ich alle wieder umarmen kann ist manchmal schwer zu ertragen. Wir überlegen momentan auch, unsere Hochzeit nach hinten zu verschieben um wirklich sicher zu sein, dass meine Familie einreisen kann. Aber für diese Entscheidung haben wir ja zum Glück noch Zeit. 

Jetzt werde ich vielleicht die unerwartete Freizeit doch noch nutzen, um noch schnell ein paar Weihnachtsplätzchen zu backen!

Bleibt bitte alle gesund und fühlt euch herzlich umarmt <3

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Montag, 06.07.2020 Ein Geburtstagsbericht

Hallo ihr Lieben. Erstmal auch auf diesem Weg vielen Dank für all die Glückwünsche, die mich erreicht haben. Eigentlich sollte ich diesen Geburtstag ja in Deutschland verbringen und auch die Hochzeiten meiner beiden Geschwister besuchen, aber die Krise hat nicht nur meine Reisepläne, sondern auch die ursprünglichen Pläne für die Hochzeiten zerschossen.

Also sind wir in Australien geblieben und haben das beste daraus gemacht: wir haben uns beide 2 Wochen frei genommen und sind für ein paar Tage nach Melbourne gefahren. Troy hatte das Hofbräuhaus Munich in Melbourne ausfindig gemacht und mit der Aussage, dass ich dann wenigstens ein bißchen Deutschland bekäme, einen Tisch reserviert. Ich muß schon sagen, es war einfach traurig, euch alle nicht zu sehen. Ich hatte mich so auf unseren Trip gefreut und an dem Tag war es schon schwer. Troy hat sich aber die größte Mühe gegeben, meinen Geburtstag trotzdem zu etwas besonderem zu machen. Wir sind außerdem auch schon mal auf Brautkleid Suche gegangen und ja, er war dabei und hat Fotos gemacht. In den meisten Läden hier darf man momentan nur eine Person aus dem eigenen Haushalt mitbringen. Das hat er alles tapfer mitgemacht und viele Fotos geschossen. 

Kurz nachdem wir Melbourne verlassen hatten, wurde bekannt gegeben, dass in Folge der Lockerungen die Zahl der Neuinfektionen wieder gestiegen sei - und Teile Melbourne's befinden sich seither wieder im lock down. Seit dieses Rückfalls hängen in Melbourne an den Grenzen dieser Stadtteile Schilder "danger, you're leaving the covid free sector". Es ist verrückt. 

Bei mir ist jetzt Montag morgen halb fünf und ich sitze schon auf der Arbeit. Der erste Arbeitstag seit zwei Wochen. Dank eines langsamen Starts heute hatte ich trotzdem Zeit, euch dieses kleine Update zu schreiben. 

Bleibt alle gesund und passt auf euch auf!

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Samstag, 30.05.2020 Ein Update

Hallo ihr Lieben,

 

da ichdoch immer wieder gefragt werde, ob ich meinen Blog fortführen kann, lasse ich euch heute nochmal mit einem Update an unserem Leben teilhaben. 

Wie auch im Rest der Welt stand in Australien vieles still in den letzten 2 Monaten. Wir haben beide Glück, dass unsere Firma bis jetzt die Krise ganz gut durchgehalten hat. Der anhaltende Streit zwischen China (dem Hauptabnehmer unserer Woodchips) und Amerika hat schon im letzten Jahr für weniger Arbeit und verringerte Stunden in unserer Branche gesorgt, aber das hieß für uns einfach nur, dass wir keine 14-Stunden-Tage mehr gearbeitet haben, sondern ein Maximum von 60 Stunden pro Woche. Also für uns eher angenehm. Seit Corona anfing ging es dann doch weiter rapide bergab. Erst wurden wir gebeten unser Pensum auf 3 Wochen Arbeit und 1 Woche unbezahlt fei umzustellen - was für uns auch weiterhin kein Problem war. Dann wurde uns eröffnet, dass der Hafen für 2 Wochen schließt, daraus wurden 4 Wochen und inzwischen ist die Aussage, dass die Produktion für 6-8 Wochen eingestellt werden muss. Wie fast immer haben Troy und ich mehr oder weniger Glück im Unglück. Troy ist schon seit einer Weile an eine Firma ausgeliehen, die weiterhin produzieren kann. Die australische Regierung hat außerdem eine Unterstützung für Firmen realisiert, die eben in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Den Mitarbeitern wird ein Betrag gezahlt, der zwar viel geringer ist als unser durchschnittliches Einkommen, aber wenigsten die meisten Köpfe über Wasser hält. Wie so oft lässt die Regierung leider Menschen in meiner Visa-Situation alleine, aber durch die staatliche Unterstützung kann meine Firma mich weiterhin mit Arbeit versorgen. Zwar ein bisschen weniger und mit einem weiteren Weg zur Arbeit als bisher, aber immerhin bedeutet das, dass wir unsere Reserven nicht verbrauchen müssen. Lange Rede kurzer Sinn: wie immer kommen wir doch irgendwie glimpflich davon.
Ich sage euch allerdings ganz ehrlich, die letzten Monate waren nicht einfach für mich. Ein Wechselbad der Gefühle. Besonders die Aussicht, dass mein Bruder im Juni heiratet und ich nicht dabei sein kann fällt mir sehr sehr schwer. Meine kleine Schwester hat ihre Feier inzwischen auf nächstes Jahr verschoben - ich hoffe sehr, dass sich bis dahin der internationale Flugverkehr wieder so weit normalisiert hat, dass ich daran teilnehmen kann. Weit weg ist Australien immer, aber so schwer wie in den letzten Monaten ist mir die Entfernung nie gefallen. Nicht mal Pakete haben es in die eine oder andere Richtung geschafft (mein Paket von Ostern, 4 Wochen vorher abgeschickt, ist heute endlich in Deutschland angekommen). Aber Troy und ich können uns natürlich glücklich schätzen, dass wir unser Haus mit großem Garten haben und uns somit wirklich nur selten langweilig geworden ist in den langen Wochenenden, an denen man noch nichtmal das eigene Grundstück ohne einen guten Grund verlassen durfte. Und wenn wir uns doch mal auf die Nerven gegangen sind hat er sich mal für ein paar Stunden in seine "Man cave" unsere Garage und Partyraum zurückgezogen und ich habe im Haus gewuselt.

Gerade jetzt, wo ich mit meinem Kaffee auf der Veranda sitze und diesen Beitrag schreibe wird mir wieder bewusst, was für ein Glück ich doch habe dieses "home away from home" gefunden zu haben. Hinter mir sitzt Dolly das Wallaby (=kleine Känguruart), die Hühner scharren in Sichtweite nach Würmern und Troy sitzt an seinen Fitnessgeräten in der Man cave. Sogar unsere Nachbarn sind toll und haben unsere Hühner schon halb adoptiert. Wir hatten große Sorge jemand könnte wieder an unseren freilaufenden Babies Anstoß nehmen wie damals bei unserem letzten Haus, aber im Gegenteil haben unsere Nachbarn genauso viel Spaß an ihnen wie wir. Sie nennen sie immer "the little feathered helpers" und machen sich direkt Sorgen, wenn sie die 3 mal für einen Tag nicht sehen. Und wir wissen meistens, wo wir Anna, Elsa und Bacardi finden können, wenn sie nicht in Sichtweite sind. Vor ein paar Wochen ist auch nochmal ein Koala durch den Garten gewandert, aber leider scheint er nicht hier geblieben zu sein. Wir versuchen so viele einheimische Pflanzen wie möglich in unserem Garten zu haben um die einheimische Tierwelt zu unterstützen und sind froh über die Unmengen an Eukalyptusbäumen verschiedenster Arten, die sicherlich schon seit Jahrzehnten hier wachsen. 

Ich vermisse euch alle sehr. An jedem Tag ist mir bewusst wie viel Glück ich im Leben habe, aber gleichzeitig vermisse ich auch vieles. Ich kann es nicht erwarten, dass die Grenzen endlich wieder geöffnet werden. <3

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Montag, 02.03.2020 Einweihungsparty

Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich in Shorts und Shirt auf der Terrasse mit einem Kaffee in der Sonne und 4 Hühner sitzen um mich rum, hoffend, dass sich in der Tasse vielleicht doch etwas essbares verbirgt. 

Langsam wird es allerdings auch hier kälter. Sobald die Sonne hinter Wolken verschwindet wird es frisch, aber ich genieße dieses Wetter in vollen Zügen und verbringe viel Zeit hier draußen. 

Letztes Wochenende haben wir endlich sehr verspätet unseren Einzug gefeiert. Aber ich war ja auch vier Monate weg und danach hatten wir erstmal so viele Termine, dass wir einfach kein freies Wochenende gefunden haben. Außerdem sind australische Feiern traditionell vorwiegend draußen und Troy wollte gerne erst eine entsprechende Tisch und Stuhl Kombination anschaffen. Allerdings war alles, was wir uns in Läden angeguckt haben deutlich über unserem Budget und seit wir ein Haus besitzen, kaufen wir lieber etwas, von dem wir das Gefühl haben, dass es uns auch in Jahren noch gefällt. Es gibt schon genug Müll auf der Welt. Aber Glück muss man haben und so haben wir bei einer Facebook Gruppe für gebrauchte Sachen einen riesigen Tisch in genau dem Teak Stil gefunden, der uns immer gefallen hatte. Riesig und gut gepflegt. Wir lieben ihn, leider die Hühner auch. Wir versuchen noch ihnen beizubringen, dass es bessere Sitzgelegenheiten gibt. 

Mit dem Tisch war auf jeden Fall der Weg frei für unsere Party. Musik aufgebaut, jede Menge Essen vorbereitet,  Barbecue angeschmissen. Der große Unterschied zu Deutschland ist, dass es völlig normal ist darum zu bitten, dass die Gäste ihre eigenen Getränke mitbringen. Jeder hat eine große Kühltasche (Esky) und trinkt aus seinem eigenen Vorrat. Wir hatten auch einen Kühlschrank bereit stehen, aber der war überhaupt nicht nötig. Es war eine großartige Feier. Sogar ein paar Freunde aus Geelong Nähe Melbourne kamen 3,5 Stunden angereist. Ich glaube um 4 Uhr morgens war der letzte im Bett. Ich sage nur... mir ging's nicht so gut am nächsten Morgen 🤣 aber das war's wert. 

Dieses Wochenende haben wir weiter im Garten verbracht. Unter anderem haben wir eine 25m lange Hecke rausgerissen. Zum Glück ist unser Garten so groß, wir haben ein Seil um die Anhängerkupplung des Autos und eine um den unteren Teil des jeweiligen Busches gelegt und so sogar geschafft, dass die Wurzeln mit raus gerissen wurden. Die Hecke haben wir dann online inseriert und 3 verschiedene Leute haben sie unter sich aufgeteilt. Win win, ich kann es gar nicht gut aushalten, wenn Pflanzen sinnlos sterben. 

Wir haben außerdem versucht ein paar kranke Bäume mit dem Geländewagen umzustoßen - irgendwie hatten wir vergessen, dass das Auto dann wohl doch keine Waldmaschine ist wie die, die wir jeden Tag benutzen. Am Ende musste dann doch die Kettensäge ran. Einige dieser Bäume werden zum Glück von Freunden von uns für deren Vögel genutzt. Wir haben hier auf dem Grundstück so viele junge Bäume, die in den unmöglichsten Plätzen gepflanzt sind, dass wir teilweise nur den Kopf schütteln können. Einer zum Beispiel stand direkt an der Fassade unseres Hauses. Auch dieser musste leider weichen. Dafür hat aber mein Granatapfel Strauch endlich seinen Platz im Garten (anstatt im Topf zu leben). Wir haben hier übrigens so viele Bäume, weil einer der vorherigen Mieter im hiesigen botanischen Garten gearbeitet hat und wo er konnte Bäume geklaut hat, um sie hier einzupflanzen. 

Ich drücke euch alle herzlich. Ich kann es nicht erwarten im Juni wieder nach Hause zu kommen <3

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Mittwoch, 05.02.2020 Zurück down under

Hallo meine Lieben,

 

ich bin inzwischen seit 4 Wochen zurück in Australien. Die Zeit in Deutschland war unendlich wertvoll - ich habe so viel erlebt und konnte endlich mal wieder Erinnerungen kreieren, ohne die Abreise im Nacken zu haben. Ich habe in meinem ursprünglichen Beruf gearbeitet, Freude getroffen - sogar mit meiner kleinen Schwester ihr Hochzeitskleid ausgesucht. Habe den Großteil der Schwangerschaft meiner besten Freundin miterlebt und so viele Flaschen Wein bei abendlichen Tischtreffen mit meinen Eltern geleert <3 Aber am Ende habe ich deutlich gemerkt, es war an der Zeit, wieder zu meinem Leben hier in Australien zurückzukehren. Ich konnte es nicht erwarten, zurück zu unserem Haus zu kommen und hier all die Pläne, die Troy und ich über die Monate geschmiedet hatten, in die Tat umzusetzen. 

Wie immer war die Rückreise anstrengend und lang. Ich hatte das Glück, auf dem ersten Flug ein Upgrade zu genießen. Ehrlich gesagt, könnte ich mir Business regulär leisten würde ich sehr gerne sehr viel öfter nach Deutschland fliegen!! Aber leider bleibt sowas für mich ein unerschwinglicher Luxus. Troy und ich kamen nach 23 Stunden Reisezeit aufgeputscht und übermüdet in Melbourne an. Wir hatten uns erstmals den Luxus gegönnt, mein Auto für 4 Wochen auf einem Park&Fly Parkplatz mit Shuttlebus unterzustellen. Also tatsächlich mal kein kompliziertes durch die Gegend gefahre, bis wir tatsächlich auf dem Weg nach Hause sind. Nichtsdestotrotz hat es von unserer Landung um 00:30 knappe 2 Stunden gedauert, bis wir tatsächlich auf dem Highway Richtung Hamilton waren. 3,5 Stunden Fahrt, der Großteil der Strecke durchs Nirgendwo mit dem ein oder anderen verschlafenen Ort alle 50-100 km. Ich glaube auf den letzten 200 km der Strecke ist uns kein einziges Auto entgegegen gekommen. Von den Feuern haben wir übrigens nichts mitbekommen und hatten auch keine Beeinträchtigung auf der Strecke.

Irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr morgens waren wir dann tatsächlich Zuhause. Die ersten Vögel zwitscherten, man konnte das Morgenlicht erahnen - und wir waren so aufgedreht, dass an Schlaf nicht zu denken war. Zum Glück hatten wir noch das ganze Wochenende, um über unseren Jetlag hinweg zu kommen. Ich hatte sogar noch eine weitere Woche unerwartet frei und habe diese genutzt, um den Garten ein bisschen auf Vordermann zu bringen, meine letzten Sachen im Haus einzuräumen und alles ein bisschen mehr zu unserem Zuhause zu machen. Sogar ein paar Fotografien von meinem Vater auf Plexiglas, die ich aus Deutschland vorgeschickt habe, sind inzwischen angekommen und hängen an unseren Wänden. Jedes Mal, wenn ich sie angucke, fühle ich mich Deutschland ein bisschen näher.

Ziemlich schnell war Troy und mir klar, dass wir Haustiere brauchen auf einem großen Grunstück wie diesem. Da wir so unregelmäßige Arbeitszeiten haben und natürlich allem, was wir anschaffen zu 100 % gerecht werden wollen, sind nach kurzem überlegen 2 Hühner in den Hundeauslauf in unserem Garten eingezogen. Ein Hundehaus als Schlafplatz, ein bisschen Stroh und zwei menschliche Glucken haben den beiden ihr neues Zuhause schnell schmackhaft gemacht. Wir haben sie auf Anna und Elsa getauft und es dauerte nicht lange bis sie auf den Ruf "chook chook choook chook choook" (chook = Huhn) aus ihren Winkeln gerast kommen. Inzwischen sind auch noch Bacardi und Baileys mit eingezogen, ihre beiden Schwestern. Alle 4 sind noch zu klein zum Eier legen, aber haben uns voll im Griff. Fun fakt: wir haben einen ganzen Tag damit verbracht, ein architektonisches Meisterwerk aus Wellblech in ihr Gehege zu bauen. Die 4 zeigen uns aber den Stinkefinger und schlafen jede Nacht eng zusammen gekuschelt in der winzigen Hundehütte.

Eine weitere Neuigkeit ist, dass wir den Sack bezüglich Hochzeitsüberlegungen zu gemacht haben. Unsere Wahl ist auf eines der Resorts in Port Douglas gefallen, in dem wir letztes Jahr eine Nacht verbringen durften. Wir werden im ganz engen Kreis feiern und dafür in der Zeit darauf sowohl in Australien als auch in Deutschland eine Feier mit all jenen veranstalten, die wir gerne dabei gehabt hätten. Aber jetzt sind erstmal die Hochzeiten meiner Geschwister wichtig und im Vordergrund, denn wir haben uns entschieden erst im September 2021 zu heiraten.Ich freue mich darauf, den Fokus darauf zu legen, den beiden ihren Tag unvergesslich zu machen.

An all jene, die sich wegen der Feuer Sorgen um uns machen: wir sind weit entfernt vom Zentrum der Buschfeuer - immer mal wieder gibt es kleinere Warnungen hier, aber bisher gab es keinen Grund für uns, beunruhigt zu sein. Wir genießen unser kleines Paradies und den Sommer.

Ich kann es nicht erwarte euch im Juni alle zu sehen. Trotz aller Australienliebe vermisse ich mein Zuhause jeden Tag!

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Freitag, 26.07.2019 How lucky I am

English version below

 

Ich habe so lange nichts mehr geschrieben, ich wusste fast nicht mehr, wie meine Seite heißt. Es ist, wie viele von euch gesagt haben. Eines Tages wird das Abenteuer zum Alltag, das besondere selbstverständlich und es gibt einfach keine großen Neuigkeiten mehr zum bloggen. Wobei nein, Neuigkeiten gibt es. Ich habe nur irgendwie verpasst, den Blog zu aktualisieren. 

 

Ok, wo fange ich an. Viele von euch wissen das meiste. Seit Anfang des Jahres arbeiten Troy und ich im Woodchip Geschäft. Bei uns werden Bäume zu diesen Woodchips verarbeitet, die dann nach China verschifft und zu Papier werden. Ich sitze dabei in einem Skidder, einer großen traktorähnlichen Maschine, die Stapel gefällter Bäume zum Chipper zieht. Diese Arbeit ist für deutsche Verhältnisse überaus gut bezahlt, besonders, da wir normalerweise 12-14 Stunden Tage haben. Oft fangen wir schon um 3 Uhr morgens an, das war sehr gewöhnungsbedürftig am Anfang, aber inzwischen bin ich daran gewöhnt ins Bett zu gehen, wenn es noch nicht dunkel ist. Das größere Problem ist, dass ich meinen Kopf für diese Arbeit schon lange nicht mehr brauche und daher nicht abwarten kann, meine Qualifikation als Physiotherapeutin zu bekommen. 

Wie vieles ist dieser Prozess kompliziert und teuer. Besonderes, da ich viel Dokumentation von meiner Physiotherapie-Schule in Deutschland brauche. Das ist einer der Gründe, das ich entschieden habe, diesen September für mehrere Monate nach Deutschland zu kommen. Troy folgt im Dezember und wir verbringen Weihnachten mit meiner Familie, bevor es im Januar zurück geht. Ich kann es nicht abwarten so viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, auch wenn es mir schwer fällt, Troy so lange alleine zu lassen. Ich hätte wahrscheinlich alles ein bisschen anders geplant wenn ich in die Zukunft hätte sehen können, denn es gibt ein eine weitere große Neuigkeit:

Wir kaufen gerade ein Haus. Die Verträge sind unterschrieben, die Bank hatte ihr ok schon im Vorfeld gegeben, wir warten jetzt nur noch auf ein paar bürokratische Feinheiten und ab dann sind es 30 Tage, bis wir den Schlüssel bekommen. Wir wollten eigentlich noch nicht kaufen. Wir wollten mehr angespart haben, erst umziehen wenn wir von Deutschland zurück sind, uns erstmal nur ein allgemeines Bild machen - aber wir haben uns dieses Haus angeschaut bevor es überhaupt im Internet angeboten wurde und haben innerhalb weniger Minuten nach der Besichtigung ein Angebot gemacht. Wir sind hin und weg und das Haus ist es wert, unsere Pläne zu ändern. 

Nicht nur das Haus beschäftigt unsere Gedanken, wir fangen auch ganz langsam an uns Gedanken über unsere Hochzeit zu machen, denn Troy hat vor 7 Wochen um meine Hand angehalten und natürlich habe ich ja gesagt. Das Feedback zu dieser Entscheidung hat uns umgehauen. Es ist unfassbar, wieviele Menschen sich mit uns freuen. So so so viele Freunde aus Deutschland haben sofort selbstverständlich gesagt, unsere Hochzeit wäre ein Grund für sie, ans andere Ende der Welt zu fliegen. Ich konnte es nicht glauben und auch, wenn am Ende keiner aus Deutschland es schaffen sollte zu kommen, bleibt dieses überwältigende Gefühl, wie wertvoll ich für viele Menschen bin. Ihr gebt mir die Kraft, das zu tun was ich tue, denn ihr seid mein Netz wenn ich mal fallen sollte. Keine Worte für meine Dankbarkeit. 

Momentan bin ich vom Glück überrollt. Wir sind zu meinem Geburtstag nach Melbourne gefahren und zufällig über eine Hochzeitsmesse gestolpert. Wir waren tendenziell eher enttäuscht vom Angebot, haben aber an ein paar Wettbewerben teilgenommen und tadaa einen Trip in den tropischen Teil Australiens gewonnen zu zwei Luxus-Hotels und verschiedenen Aktivitäten Wert 2000$.  2 Wochen später wurde ich wegen eines anderen Gewinns angerufen: ein Fotoshooting mit Styling und allem. Wert 500$ 

Ich habe noch nie nie nie irgendwas gewonnen! Dieser Anruf hat mir das Gefühl gegeben, ich kann nur gewinnen im Moment. Ich könnte tanzen vor Glück. Das Fotoshooting werde ich an einen anderen Gewinner abgeben, vielleicht gibt es jemand anderem auch dieses Gefühl und wir würden es zeitlich einfach nicht mehr schaffen. Den Trip nach Port Douglas nehmen wir genau vor meiner Abreise wahr. 

Ich habe gestern irgendwo ein Winnie Puuh Zitat gelesen. "How lucky I am to have something that makes saying goodbye so hard." Story of my life. In beide Richtungen.

 

 

English version - I have translated it with google translator and changed the funny sentences. Might`ve missed a few :-)

I haven't written anything in a long time, almost forgot what this page was called. 
It's like many of you have said: One day the adventure becomes routine, and theres 
no more big news to share on the blog. But hang on, there are news. I just sort of 
missed the right time to update you all and now I don`t know where to start.

 

Ok, here we go. Many of you know parts of what has been happening. Since early this 
year, Troy and I have been working in the woodchipping industry. Trees are being 
processed into wood chips, which are then shipped to China and turned into paper. 
I'm operating a skidder, a big tractor-like machine pulling piles of felled trees 
to the chipper. This work is very well paid by German standards, especially since 
we usually have 12-14 hours of workdays. We often start at 3 in the morning, which 
took a while to get used to, but now I adapted. The bigger problem is that I have 
not needed my brain for this work in a long time and therefore can not wait to 
get my qualification as a physiotherapist to use my skills again.

The process of becoming a fully qualified physio in Australia is complicated and 
expensive. Especially, as I need excessive documentation from my physiotherapy 
school in Germany. That's one of the reasons for me to come to Germany for several 
months in September. Troy follows in December and we spend Christmas with my 
family before returning in January. I can not wait to spend so much time with 
friends and family, even though it's hard for me to leave Troy alone for such a 
long time. I probably would have planned everything a little differently if I 
would`ve been able to tell the future, because there is another big news:

We are currently buying a house. The contracts have been signed, the bank had 
given their ok in advance, we are now waiting for the property valuation and the 
final contract with the bank, from then it will be 30 days until we get to move in. 
We did not really want to buy just yet, especially so shortly before I leave. We 
planned on having more savings, we only looked at places to get an idea of the 
market - but we looked at this place before it was even advertised on the Internet 
and made an offer within a few minutes after having the first inspection. We are 
blown away and the house is worth changing our plans. Very excited here!


Not only the house keeps us busy, we also have to start thinking about our wedding, 
as Troy proposed 7 weeks ago and of quite obviously I said yes. The feedback on 
this decision blew us away. It is unbelievable how many people are happy for us. 
So so many friends from Germany immediately told me, our wedding would be a reason 
for them to fly to the other end of the world. I simply coudn`t believe it and 
even if in the end no one from Germany would make it, that overwhelming feeling of 
how valuable I am to many people remains. You give me the power to do what I am 
doing because you guys catch me when I fall. No words for my gratitude.

Right now I feel like I'm chased by luck. We went to Melbourne for my birthday and 
stumbled into wedding expo. We were rather disappointed with what it had to offer, 
but did enter a few competitions and Tadaa: won a trip to the tropical part of 
Australia for two luxury hotels and various activities worth $ 2,000. 
Two weeks later I was called for another win: a photoshoot with styling and 
everything. Value $ 500

I have never never never won anything! This call made me feel like I am the winner 
of the world at the moment. I could dance with happiness. I will hand over the 
photo shoot to another winner, maybe someone else will feel the same way and we 
wouldn`t be able to do it in time and without lots of stress. We will do the trip 
to Port Douglas just before my departure to Germany.

Yesterday I read somewhere a Winnie the Pooh quote. "How lucky I am to have 
something that makes saying goodbye so hard." Story of my life. In both ways. 

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Montag, 07.01.2019 Wir haben ein Haus!

Ja ihr Lieben! Endlich haben wir ein Haus!! Es war so schwer für uns was zu finden, einfach weil wir nicht besonders vertrauenswürdig wirkten, wenn man einfach nur die Bewerbung angeguckt hat. Job noch nicht mal angefangen, ich hatte noch nie Miete gezahlt in Australien und hier ein Campingplatz als vorübergehender Wohnsitz. Als einzige Möglichkeit haben wir dann gesehen, einen kleinen Brief an die Bewerbung anzuheften, der unsere Situation erklärt und unsere Vorzüge hervorhebt. Das besprochene Haus war sogar bei zwei Maklern gelistet und wir haben uns bei beiden beworben. Es war dann tatsächlich noch eine kleine Zitterpartie, aber Freitag Nachmittag kurz vor Feierabend rief uns eins der Büros an und bestätigte, dass wir akzeptiert worden. Wir sind dann noch schnell dorthin gerast, um vorm Wochenende noch die Kaution zu bezahlen und laufen seitdem durch Möbelhäuser um uns eine Vorstellung zu machen, was wir haben möchten. Den Schlüssel bekommen wir allerdings erst heute Abend oder morgen und dann geht es ans ausmessen. 

Das Haus liegt in Tarrington, einem Ort 10 km von Hamilton entfernt. Wieder ein ganz kleiner Ort mit einer Post, einer Schule und das war es auch quasi schon. Unser Haus ist in einer ruhigen Seitenstraße, umgeben von einem wilden Garten mit jahrhundertealten Bäumen und vielen Büschen. Angrenzend an unseren Garten sind die Pferdekoppeln der Nachbarn. Ein Teil des Hauses ist fast hundert Jahre alt. Es wurde vor ich glaube 30 Jahren nach Tarrington transportiert, dort wieder aufgebaut und hat im Laufe der Jahre noch einen schönen, hellen Anbau bekommen. Mit bodentiefen Fenstern mit Blick in den Garten.

Übrigens kleine deutsch- australische Anekdote: so ziemlich jedes Haus in Australien ist mit Teppich ausgelegt. So auch der alte Bereich dieses Hauses und zwar bis zur Haustür. Die winzigen Schlafzimmer auch noch mit diesem wunderschönen dunkel und dunkel gemustertem Modell. Der Anbau aber hat diesen wunderschönen, hellen Holzboden. Mein deutsches Herz schlug schneller!! Als wir dann im Maklerbüro die Kaution bezahlt haben, sagte die Maklerin ganz nebenbei "ach ja, dieses Wochenende wird der Anbau noch mit Teppich ausgelegt". Kinnlade -> Fußboden. Aber naja, was kann man machen. Wir freuen uns auf den neuen Abschnitt und Fotos werden die Tage folgen. 

Heute ist Montag und morgen früh werden wir unsere Einweisung und Arbeitskleidung für den neuen Job bekommen. Ihr seht also, es ist sehr spannend bei uns.

Silvester war übrigens sehr durchschnittlichen. Ich war sowieso krank und habe mir nur das Feuerwerk angeguckt, das kurioserweise schon um 22:30 war (privates Feuerwerk ist hier verboten) und bin zurück zum Campingplatz ins Bett gegangen. Troy blieb noch ein bisschen mit seinen Freunden im Pub und kam um kurz vor zwölf zu mir, ein schneller Neujahrskuss und den Rest der Nacht haben wir dann verschlafen. Ich hoffe ihr hattet alle eine Nacht, genauso wie ihr sie euch vorgestellt habt!!

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Freitag, 21.12.2018 Oh du fröhliche

Noch drei mal schlafen bis Weihnachten!! Naja, hier werde ich ja ein bisschen komisch angeguckt wenn ich das sage. Die Aussies feiern den 24. ja genauso wie der Rest der Welt nicht. Nur Troy und seine Familie bekommen von mir dieses Jahr ein traditionelles Heiligabend essen. Was es geben soll, weiß ich leider noch nicht. Ein Raclette besitze ich nicht. Vorschläge, die nicht Kartoffelsalat mit Würstchen beinhalten? ;-)

Vor zwei Wochen habe ich meine Sachen auf der Farm gepackt. Mein Auto bis zum Dach vollgestopft. Der erste Stopp war 2 Stunden südlich von der Farm auf einem Campingplatz am See. Der Plan war eine 30. Geburtstagsfeier mit Wasserski und Barbecue. Es sollte auch die Abschiedsfeier für Troy und mich sein. Am Campingplatz angekommen mussten wir dann erstmal feststellen, dass der See nahezu ausgetrocknet war. Die Dürre hat also auch dort zugeschlagen. Außerdem waren es 38° über das komplette Wochenende und die  Klimaanlage in der Kabine, die Troy und ich gebucht hatten, kam nicht mehr hinterher. Nur mal so: wir hatten die Klimaanlage den ganzen Tag auf Maximum laufen und die Schokolade, die wir nicht in den Kühlschrank gelegt hatten war flüssig. Aber wenigstens der Kühlschrank hat seinen Job erfüllt und das Bier und der Wein waren kalt. Trotz allem war es ein lustiges Wochenende mit emotionaler Verabschiedung von meiner Farm-Familie. Troy ist nochmal für ein paar Tage zurück auf die Farm gefahren und ich habe mich für einen kleinen Nostalgie Trip entschieden und bin mit meinem Auto in die Grampians gefahren (c.a. 1Stunde von Hamilton). Vielleicht erinnert ihr euch noch, das war vor über 2 Jahren mein erster Trip alleine mit meinem Auto. Ich habe wieder auf dem gleichen Campingplatz im Auto geschlafen, bin zum gleichen Wasserfall gewandert und es hat sich richtig wie eine Reise in die Vergangenheit angefühlt. Nach zwei Tagen kam Troy nach und wir haben uns auf den Weg nach Hamilton zu seinem Vater gemacht. Quasi der Start ins neue Leben. Die nächsten Tage waren gefüllt mit Besichtigungen von Häusern, Bewerbungen für Mietverträge und Treffen mit Troys alten Freunden. Es ist so schön mal zur Abwechslung spontan etwas unternehmen zu können oder einfach abends nochmal schnell zum Supermarkt zu fahren. Wir mussten uns auch richtig zusammenreißen um nicht jeden Abend essen zu gehen. 

Achja, einen Job habe ich auch inzwischen gefunden. Und zwar in dem Betrieb, der Troy schon vorher einen Job zugesagt hatte. Scheinbar muss dort die Frauenquote aufgebessert werden und ich werde als Skidder angestellt. Das bedeutet ich sitze auf einem Traktor und schleppe die gefällten Bäume zu einer Sammelstelle. Sehr gut bezahlt und vor allem mit der Option, dass die Firma mir irgendwann meine Physio- Qualifikation bezahlt um mich für die Mitarbeiter einzusetzen. Ich hatte natürlich erst meine Bedenken, in der Holz-Branche zu arbeiten, aber alles was bei uns abgeholzt wird, wurde vorher für diesen Zweck angebaut, also finde ich es vertretbar. Ein Haus haben wir inzwischen auch gefunden, in dem wir c.a. ein halbes Jahr wohnen werden, bevor wir uns nach Eigentum umsehen wollen. Ihr seht also, es fügt sich nach und nach alles zusammen. 

Nachdem das Zusammenleben mit Troys Vater ein bisschen anstrengend ist, haben wir uns gestern auf den Weg nach Melbourne zu seiner Mutter gemacht. Hier werden wir die Zeit bis Weihnachten verbringen und dann hoffentlich in unser neues Zuhause einziehen. Unsere neue Arbeit startet am 7.1., wir haben also noch ein bisschen Zeit uns um Einrichtung und Dekoration zu kümmern. Wir freuen uns vor allem auch drauf, endlich wieder ein Fitnessstudio in der Nähe zu haben. Ach, das Stadtleben hat schon seine Vorteile. 

Euch allen wünsche ich auf jeden Fall schon mal tolle und besinnliche Festtage. Ich vermisse Deutschland in dieser Zeit ganz besonders. 

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