Auf anderen Wegen

Montag, 18.09.2017 Abschied von Bummie

Es ist geschafft. Donnerstag Abend haben wir das letzte Schaf geschoren, die sheering shed aufgeräumt und hatten dann einen sogenanntem cutout. Man sitzt also noch mit einer Menge Bier zusammen, isst ein paar Snacks und lässt die stressige Zeit ausklingen. Nachdem das sheering mit dem Regen nicht besonders vielversprechend begonnen hatte, haben wir doch nur einen Tag verloren und konnten in 8 Tagen Arbeit alles abschließen. Diese Tage waren auch wirklich anstrengend, aber wenigstens kann man den Erfolg sehen: jeden Tag stehen weniger wollige Schafe auf der Farm. Am letzten Tag hatte man natürlich das Gefühl, es werden doch nicht weniger, sondern eher mehr ;-) aber abends gegen fünf war es dann endlich geschafft. Ich war bis zum Schluss noch ein bisschen nervös, ob Grant mir doch noch Probleme machen würde mit meiner Abreise am nächsten Tag, aber außer, dass er noch mehrfach betont hat, wie schade es ist, dass ich nicht bleibe, hat er mich in Ruhe gelassen. Ich bin auch wirklich nochmal ins schwanken gekommen und habe mich selber gefragt, ob es denn in der Zwischenzeit wirklich so unerträglich war. Schließlich hatte ich nicht ganz so viel mit Grant zu tun während dem sheering. Da ergibt sich eher ein eigener Rhythmus, der an die sheerer angepasst ist. Aber zum Glück ist immer, wenn mir diese Gedanken gekommen sind wieder was passiert, das mich in meiner Überzeugung bestätigt hat. Zum Beispiel bin ich Sonntag nach einem Wochenende mit Troy aus dem Auto ausgestiegen und habe ihn quer über die komplette Farm über irgendwas schreien und schimpfen gehört. Ich bin also immer noch überzeugt, dass es für mich die beste Entscheidung war.

Freitag morgen habe ich erstmal ganz in Ruhe meinen Wohnwagen auf den Kopf gestellt. Alles geputzt, sortiert, meine Sachen ins Auto gepackt, habe ein letztes mal mein Flaschenkind Bummie gefüttert und dann darauf gewartet, dass Grant den Papierkram für mich fertig macht. Hat natürlich eine ganze Weile gedauert, ist ja Grant - aber er hat mir eine sehr sehr gute Bewertung geschrieben, mich angemessen für die letzten Tage Arbeit bezahlt und dann konnte ich mich endlich endlich auf den Weg machen. Ich war so froh, dieser Farm hinter mir zu lassen!!

Jetzt bin ich seit ein paar Tagen wieder bei Troy. Leider hat mir sein Boss inzwischen eröffnet, dass die Ernte dieses Jahr sehr schlecht ausfallen wird und sie mich daher nicht als chaser bin driver einstellen können. Hier gab es nur sehr wenig Regen und tatsächlich sehe sogar ich, dass auf den Feldern kaum was wächst. Das ist natürlich eine ziemliche Enttäuschung. Ich versuche jetzt hier in Griffith einen Job zu finden. Die Fahrerei an den Wochenenden ist mit der Zeit sehr ins Geld gegangen und auch emotional anstrengend für Troy und mich gewesen. Ich halte euch auf dem Laufenden!

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Dienstag, 05.09.2017 Runter die Wolle

So meine Lieben, shearing 2017 hat gestern gestartet. Erstmal so viel: wenn einer von euch nochmal einen Merino-Pullover zu heiß wäscht, verschweigt es mir lieber!!

Aber von Anfang an: das letzte Wochenende war ich noch bei Julia und den Kindern in Canberra. Grant hatte sich kurzfristig noch überlegt, dass ich eigentlich doch besser da bleiben würde, doch da ich bevor ich Julia zugesagt hatte zweimal gefragt habe, ob er mich wirklich an dem Wochenende nicht braucht, hatte ich kein schlechtes Gewissen, abzulehnen und Julia zu besuchen. Als Kompromiss haben wir ausgehandelt, dass ich schon Sonntag Mittag wieder zurück bin. Gesagt, getan. Die Zeit mit Julia war wie immer unbezahlbar und schweren Herzens habe ich mich Sonntag morgen in Roody geschwungen und bin die 2,5 Stunden zurück zur Farm gefahren. War auch gut, denn tatsächlich sah es ziemlich nach Regen aus und war sehr stürmisch. Nasse Schafe kann man nicht scheren, also haben wir die Zeit nach meiner Ankunft damit verbracht, Schafe in die Scheune zu stopfen. Hat auch alles ohne Regen geklappt, aber farm work wäre nicht das gleiche, wenn alles glatt geht. Stromausfall - in einem Umkreis von 400 km. Dass man ohne Strom nicht scheren kann, versteht sich ja von selbst. Es war also eine große Zitter-Partie ob wir wirklich starten können. Zum Glück lief der Strom abends um neun wieder. Also am nächsten Tag früh raus, alles restliche vorbereiten und dann ging shearing los. Wir hatten drei shearer, also drei Schafe, die immer zeitgleich geschoren werden. Eigentlich entwickelt sich ziemlich schnell ein Rhythmus, der immer gleich aussieht:

Wenn das Schaf geschoren ist, muss einer von uns Shed hands die Wolle auf eine bestimmte Art zusammen schieben und mit einer Schwung-Wurf-Technik auf einen drehbaren Tisch werfen, so dass die Kanten alle ausgebreitet sind und die dreckige Seite der Wolle oben liegt. Dann wird der Tisch gedreht und die Stücke, die im Haupt-Flies nicht erwünscht sind abgerissen. Generell kann man sagen, was du nicht anfassen willst musst du festhalten. Also schwarzen Dreck und vor allem die sogenannt vegetable matter, also Woll-Bereiche in denen viele Gras-Samen, Dornen und andere Pflanzen-Teile hängen. Wir haben hier große Probleme mit Brombeeren, also haben auch die Schafe viel davon im Fell. Für diesen ganzen Spaß hat man pro Flies ungefähr zwei Minuten. Es ist wirklich Akkord-Arbeit und man ist jedes mal froh, wenn die shearer selbst eine Pause machen (ungefähr jede Stunde einmal zehn Minuten). Gestern haben wir dann leider den befürchteten Regen bekommen. Wahrscheinlich sind die Schafe auf den paddocks jetzt so nass, dass sie erstmal drei Tage trocknen müssen, aber die Hoffnung, dass wir ab morgen weiter scheren können, stirbt zuletzt. Wir werden jetzt gleich erstmal loslegen, die Schafe ins trockene zu bringen, damit sie zumindest schonmal anfangen können zu trocknen. Wünscht uns Glück!! Ich möchte doch möglichst schnell abreisen!!

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Mittwoch, 30.08.2017 Kurz vorm Scheren

Langsam steigt hier die Nervosität vor der shearing season. Wir wollen Montag anfangen. Also wird jetzt nervös der Wetterbericht verfolgt (nasse Wolle kann man nicht scheren), alle Schafe werden eingetrieben, sortiert und auf die paddocks nahe der Farm verteilt und der 40 Jahre alte Scher-Motor wird repariert. Wenn man Grant glauben kann, gibt es nämlich leider in der modernen Zeit nichts mehr, was die Qualität von früher hat. Das geht von Autos (er fährt am liebsten seine 40 Jahre alten Lada) über Plastik-Trichter (nur verdammte chinesische sind zu kriegen) zu australischen Arbeitern (heute alle faul!!). Ich nehme inzwischen alles mit Humor. Ich habe nämlich heute mit Grant gesprochen und ihm gesagt, dass ich nach der stressigen shearing Zeit abreisen möchte. Einerseits schlägt mir das ewige geschreie hier aufs Gemüt und andererseits ist es auch doch sehr einsam, wenn der einzige Mensch mit dem man zu tun hat diese fluchende Person ist. Grant hat zum Glück sehr nett reagiert, wenn auch traurig. Hat mich direkt gefragt, ob es an seiner Art liegt. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich einfach insgesamt zu soft bin und mir sowohl diese Stimmung, als auch Landwirtschaft mit Tieren zu nahe geht. Gestern haben wir ein Schaf gefunden, dem Krähen die Augen ausgepickt haben. Es lebte noch und muss schon mindestens zwei Tage blind und hilflos dort gelegen haben. Das ging mir tatsächlich sehr nahe :-(

Ich weiß noch nicht genau, wie es weiter gehen wird, wenn ich hier die Segel streiche. Ich habe c.a. 6 Wochen zu füllen, bis ich auf Troys Farm arbeiten kann. Aber ich bin sehr froh, die Entscheidung getroffen zu haben und jetzt ein Ende zu sehen. 

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Mittwoch, 23.08.2017 Schafe, so weit das Auge reicht

Drei Wochen in Bigga in diesem unordentlichen Haufen namens The Alps. Ich bin in den letzten drei Wochen durch so ziemlich jedes Gefühl mal durch gelaufen. Grant hat sehr sehr gute und freundliche Seiten, kann aber leider innerhalb von Sekunden zum fluchenden Berserker werden, der Sachen durch die Gegend schmeißt, tobt und nur noch rot sieht.Meistens geht diese Aggression zum Glück nicht gegen mich. Letzte Woche allerdings hat er mich fast dazu gebracht, einfach meine Sachen zu packen. Er hatte mir den Auftrag gegeben mit einem der Hunde 5 Schafe auf einen anderen paddock zu treiben. Dazu muss man wissen: je kleiner die Gruppe, desto schwerer ist es sie in eine bestimmte Richtung zu treiben, weil Schafe sich gerne kollektiv bewegen. Bei 50 Schafen ist die Wahrscheinlichkeit, da ein paar die richtige Richtung einschlagen sehr viel wahrscheinlicher. Mit einem ordentlich ausgebildeten Hund wären auch 5 Schafe kein Problem - aber keiner der Hunde hier ist wirklich ausgebildet. Auf jeden Fall hat der Hund irgendwann ein Schaf raus gepickt und quer über den paddock durch einen Zaun gejagt. Einmal auf der anderen Seite gab es für mich keine Chance mehr, das Schaf zu erreichen. Das Donnerwetter danach hatte sich gewaschen. “muss ich denn hier alles selber machen, kannst du noch nicht mal den Hund dazu bringen zu gehorchen... “ die Schimpfwörter spare ich hier lieber aus. Wie schön wäre es, wenn ich in so einer Situation einfach zurück schreien könnte, wütend und selbstbewusst. Aber nein, wer mich kennt weiß, dass ich bei Wut erstmal anfange zu heulen wie ein kleines Kind. Grant hat sich dann auch ziemlich schnell wieder gefangen und hundertmal entschuldigt, aber das schlechte Gefühl blieb. Es war auch wirklich unfair, weil der Hund noch nicht mal ihm gehorcht. On Top kam an dem Tag noch, dass abgesprochen war, dass ich die Farm  schon gegen vier fürs Wochenende verlasse, damit ich hier nicht im Dunkeln fahren muss. Hier gibt es sehr viele Kängurus und Wombats (letztere sind so solide, dass sie ein Auto angeblich zerstören, wenn man kollidiert). Im Endeffekt war ich erst um sieben wieder auf der Farm. Grant wollte mich dann überreden erst am nächsten Tag zu Troy zu fahren, aber ich wollte nur weg. Die drei Tage Auszeit mit Troy habe ich dann auch gebraucht um wieder zu mir zu kommen.

Gestern war Grant's Frau den ganzen Tag hier und ich habe mit ihr darüber gesprochen, wie sehr mir diese Stimmung manchmal aufs Gemüt schlägt. Ich glaube sie hat ihm ganz schön den Kopf gewaschen, heute hat er sich nämlich sehr viel Mühe gegeben ;-) ich glaube wenn ich nicht mein eigenes Auto hätte würde ich nicht hier bleiben. Da ich aber immer meine Fluchtmöglichkeit hier habe, warte ich einfach erstmal ab und fülle weiterhin das Konto auf. Mein Auto lasse ich übrigens schon nur noch 1,5 km den Berg hoch stehen. Der letzte Abschnitt unserer Auffahrt ist so steil, huckelig und ausgewaschen, dass Troy mir empfohlen hat, meinem Roody das nicht anzutun. 

Es gibt aber auch schöne Sachen zu erzählen. Mein kleines Flaschen-Lamm zB. Bummie ist inzwischen 2 Wochen alt und folgt mir auf Schritt und Tritt, wenn ich ihn nicht einsperre. Flaschenkinder wachsen wohl sehr viel schneller als normale Lämmer, weil sie mehr Milch von uns bekommen können als von einer natürlichen Mutter. Bummie ist eigentlich immer hungrig - und wenn nicht, nuckelt er trotzdem an der Flasche, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Inzwischen entdeckt er seinen Körper und macht dauernd Bocksprünge, wenn er läuft. Und er nimmt alles in das winzig kleine Maul, was er finden kann. Auf der Koppel wäre das wahrscheinlich Heu und Gras, hier ist es aber auch mal mein Schuh, meine Jacke, alles an Werkzeug, was man benutzen will und generell alles, wo man Menschen am besten den Weg versperren kann. Leider interessiert er sich überhaupt nicht für andere Schafe. Selbst die beiden ehemaligen Flaschenkinder, die sich bevorzugt ums Haus herum aufhalten (ausgewachsene Schafe) interessieren ihn nicht. Er denkt einfach, er ist ein Mensch und ich bin seine Mama. Aber vielleicht ist das der Sinn, dass ich hier gelandet bin. Wo sonst wäre ich Schaf-Mama geworden ;-)

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Mittwoch, 02.08.2017 The alps

Fast zwei Wochen bin ich jetzt hier auf “The alps“. Die Anfahrt war ein ganz schönes Durcheinander kann ich euch sagen. Grant hatte mir zwar gesagt ich kann mich auf keine Navigationssysteme verlassen, aber seine Wegbeschreibung war so kompliziert, dass ich das nicht so richtig ernst genommen habe. Böser Fehler! Ich bin bestimmt eine Stunde sinnlos im Kreis gefahren, weil eine Straße die mein Navi nehmen wollte, gesperrt war und ich irgendwann dann einfach 25 km zurück gefahren bin und wieder auf der richtigen Strecke war. Leider kam dann irgendwann da, wo Zivilisation sich schon auf wenige Farms alle paar Kilometer beschränkt, eine missverständliche Anweisung in der Wegbeschreibung und ich habe den falschen Weg genommen. Das ist mir leider erst nach 20 km unbefestigte Straße aufgegangen. Dass es weder Telefon- noch Internetempfang gab muss ich ja sicher nicht erwähnen... Den Tränen nah habe ich dann irgendwann beim einzigen Farmhaus weit und breit gehalten. Der ältere Mann dort hat mir sofort angeboten 1. Bier, 2. Tee oder 3. Grant für mich anzurufen. Ich hab mich dann für die letzte Option entschieden. Er war sichtlich enttäuscht, dass ich ihm nicht länger Gesellschaft leisten wollte! Nach einer aufgemalten Wegbeschreibung habe ich dann die völlig abgelegene Farm ohne weitere Probleme gefunden. Grant hatte mir schon vorher geschrieben, die Farm wäre ein bisschen messy und wie ich schnell feststellte, war das eine bodenlose Untertreibung. Ich kenne es inzwischen von den anderen Farms, dass irgendwo eine Fläche ist, wo ausgediente Autos abgestellt werden und sich allerhand Müll ansammelt, bei Grant verteilt sich das einfach auf die komplette Fläche rund ums Wohnhaus. Im Haus das gleiche Bild. Überall Klamotten auf dem Boden, Stapel von Papieren liegen rum, die Küche überall voller Spritzer aus alten Tagen... Ich habe wirklich erstmal einen Schlag bekommen (und ich bin nicht empfindlich!). In der letzten Zeit habe ich mich dann aber langsam daran gewöhnt. Alles ist hier ein bisschen provisorisch, aber Grant ist wirklich nett und zusätzlich zu einem vollen Gehalt bekomme ich freies Benzin und alle Mahlzeiten gestellt. Außerdem wohne ich in einem Wohnwagen direkt neben dem Haus, den ich ja sauber halten kann wie ich will und habe ein eigenes Badezimmer, das von außen des Hauses zugänglich ist.

Grant redet sehr sehr gerne, am liebsten über Politik und Geschichte. Ob das gegenüber grade interessiert ist, ist ihm dabei relativ egal, was mich schonmal zu einem genervten Augen rollen bringt. Außerdem ist Zeit für ihn etwas, das keine Rolle spielt. Letzte Woche verkündete er morgens, wir würden nach dem Frühstück die Pferde satteln und ein paar Schafe 15 km entfernt eintreiben. Mittags (noch nicht gesattelt) sagte er dann wir würden es direkt nach dem Mittagessen anpacken. Ich solle die Pferde schonmal fertig machen. Gesagt, getan. Zwei Pferde fertig - wo ist Grant? Ich fand ihn schlafend am Küchentisch. Geweckt, wieder raus gegangen. Immer noch kein Grant. Wieder eingeschlafen. “Ich gehe kurz auf Klo, nimm dir schonmal einen Hund und Treib nur kurz die Schafe hier am Haus ins paddock ohne Pferde“. Hund hörte nicht auf mich. Frustrierend. Kein Grant.

Naja, im Endeffekt sind wir im Dunkeln losgezogen, haben die weit entfernten Schafe geholt und waren um halb zwölf nachts wieder Zuhause. So ist Grant. Aber großzügig, freundlich und meistens geduldig. Das gleicht die chaotische Seite wieder aus!

Nach acht Tagen durcharbeiten habe ich meinen ersten Scheck bekommen und habe mich mit Troy auf halbem Wege getroffen. Zum Glück war es für die 2,5 Tage mal trocken und sonnig und wir haben die Zeit zusammen in vollen Zügen genossen. Der Plan ist, dass ich hier auf der Farm jetzt bis Ende Oktober bleibe und dann Anfang November auf der Farm von Troy bei der Getreide-Ernte den Traktor fahre. Da freue ich mich natürlich drauf!!

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Dienstag, 25.07.2017 McLeods daughters, here I come!

Exakt nach zwei Wochen zusammen leben mit Troy ist es leider schon wieder an der Zeit für ein bisschen Distanz. Nicht, weil wir uns auf die Nerven gehen, sondern weil es hier einfach keine Arbeit für mich gibt. Zwar hat sich die ganze Familie Mühe gegeben, etwas für mich zu organisieren, aber alle verfügbaren Jobs in Griffith wären nur stundenweise gewesen und ich brauche unbedingt eine feste volle Stelle, um mein angegriffenes Konto wieder aufzufüllen. Also habe ich eine Anzeige online geschaltet und auch hier hat mir der Job in Western Australia wieder weiter geholfen, denn nach zwei Tagen meldete sich Grant bei mir, der ehemalige Rennpferde hat, um seine Schafe und Rinder zu hüten. Also tatsächlich der Traum, den ich mir hier immer verwirklichen wollte, aber für meine Beziehung mit Troy hinten an gestellt und eigentlich schon aufgegeben hatte. Donnerstag morgen geht es los. Die Farm ist ca 250 km von hier entfernt, aber durch die schlechte Qualität der Straßen muss man wohl ca 5 Stunden Fahrt einplanen. Troy und ich werden an den Wochenenden abwechselnd fahren und uns auch mal in der Mitte treffen, um möglichst alles was in der Umgebung interessant ist mal mitzunehmen. Ein Abenteuer wird es auf jeden Fall wieder werden.

Inzwischen habe ich auch sowohl mit Grant als auch mit seiner Frau telefoniert. Beide scheinen sehr nett zu sein. Unterkunft und essen ist frei und die Bezahlung deutlich besser als in Pingrup. Ich hoffe also, dass ich dort schnell wieder Geld ansparen kann. Die beiden haben mehrfach betont, dass die Unterkunft und ihre Lebensweise dort eher rough ist - Ich hoffe also, dass der Wohnwagen in dem ich da wohnen soll nicht völlig vergammelt ist. Aber im Notfall schlafe ich einfach wieder in Roody und wenn es gar nicht geht und ich mich unwohl fühle, komme ich einfach wieder hierher zurück. Diesmal sind es ja nur fünf Stunden Fahrt, keine 25. Übrigens werde ich dort wohl laut Grant fast keinen Handyempfang haben. Wundert euch also nicht, wenn es nochmal ruhiger wird um mich!

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Mittwoch, 19.07.2017 Zurück im Paradies

Asche auf mein Haupt! Ich weiß, ich habe eine Ewigkeit nicht mehr geschrieben. Die meisten von euch haben von mir persönlich in der Zwischenzeit schon ein Update bekommen. Meine letzten Wochen in Australien, bevor ich nach Deutschland geflogen bin, waren so vollgepackt von Planung, dass mir der Kopf einfach nicht mehr nach schreiben stand. Und als Becki (endlich endlich) zu Besuch gekommen ist, waren die Prioritäten auch anders gelagert. Die Zeit mit Becki war wunderschön!! Die ersten 1,5 Wochen hat sie mit mir zusammen noch auf der Farm gearbeitet. Wir hatten extra Billy wieder vom paddock geholt und sind zusammen geritten. Es war toll, dass sie mit eigenen Augen die Farm und die Pferde sehen konnte. In unserer Freizeit haben wir noch die meisten “Sehenswürdigkeiten“ rund um Pingrup abgerissen. Bluff Knoll, einen kleinen Berg den man hoch wandern kann, den Wave Rock und sie hat alle Orte gesehen, die für mich irgendwie wichtig waren. Da Troy die meiste Zeit gearbeitet hat, hatten wir viel Zeit für uns zum quatschen. Als Troy dann endlich mit dem aussähen fertig war, haben wir Roody bis zum Dach vollgepackt und sind erstmal aus dem kalten Pingrup Richtung Norden gefahren. 2,5 Tage nur Auto fahren, ca 3000 km. Nachts haben wir immer auf freien Campingplätzen geschlafen, Lagerfeuer gemacht und das obligatorische Kniffel gespielt. Auch wenn die Abende schön waren, ging uns das lange Autofahren dann doch langsam auf den Senkel und wir waren sehr froh, als wir endlich am ersten Ziel unserer Reise angekommen waren: Karijini NP. Schlappe 20° wärmer als in Pingrup waren uns für dort unglaubliche Schluchten versprochen worden - und wir wurden nicht enttäuscht!! Nachdem wir durch relativ flache, langweilige, spärlich bewachsene Ebenen gefahren waren und auf einem empfohlenen Parkplatz geparkt hatten, mussten wir ca 100 Meter gehen und standen vor einer sicher 100 m tiefen Schlucht mit Wasserfall, wildem Schwimmbecken und ableitendem Bach. Landschaftlich war Karijini auf jeden Fall eins der Highlightsund wir hätten uns vielleicht läger als 2 Nächte dort aufgehalten, wenn wir nicht noch einen weiteren Plan gehabt hätten: Whale Shark Schnorcheln in Exmouth. Whale Sharks sind vegetarische Haie, die sich von Kryll ernähren und daher zum Fressen an die Oberfläche kommen. Sie werden bis zu 12 Meter lang und halten sich 80 % ihres Lebens in ungefähr 80 m Tiefe auf. Von Mai bis Oktober führt ihre Reise sie an Exmouth  vorbei und sorgt dort für einen Touristik-Boom. Es gibt x verschiedene Anbieter für diese Schnorcheltour und fast jeder ANbieter hat einen Helikopter oder ein Flugzeug, mit denen nach den Tieren Ausschau gehalten wird. Wenn ein Walhai gesichtet wird, werden dem Boot die Koordinaten durchgegeben und die wilde Fahrt geht los. Um die Tiere so wenig wie möglich zu stören, dürfen immer nur 10 Leute gleichzeitig im Wasser sein und man darf nur hinter der Seitenflosse mitschwimmen. Tauschen darf man auch nicht, sondern nur an der Wasseroberfläche mitschwimmen. Die Tiere haben einen ganz schönen Speed drauf und hier hat sich Becki und mein Schwimmtraining von Zuhause ausgezahlt. Wir waren beide fast immer ganz vorne in der Reihe der Leute, was einem das Gefühl gab, alleine mit dem Walhai im Wasser zu sein. Zusätzlich zu dem größten Fisch des Ozeans haben wir auch noch Stachelrochen und Meeresschildkröten gesehen. Eine sagenhafte Erfahrung, definitiv das Highlight der Westküste!

Von Exmouth aus führte uns unser Weg ach Coral Bay. Einen winzigen Küstenort, wo man ins flache Wasser gehen kann, 10 Meter gehen und dann fällt plötzlich der Meeresboden auf ca 10-20 m Tiefe ab und man schwimmt über einem Korallenriff. Diese Farben... Hier haben wir uns aber nur einen Tag aufgehalten und sind wegen Zeitdruck ein bisschen weiter gefahren auf einen freien Campingplatz, um am nächsten Tag Kalbarri zu erreichen. Dieser Nationalpark ist berühmt für ein Nature Window, durch das man über das komplette Tal gucken kann. Leider war genau diese Attraktion geschlossen wegen Straßenarbeiten - aber der Campingplatz direkt am Meer mit atemberaubenden Sonnenuntergängen machte den Ort trotzdem den Aufenthalt wert. Nach 2 Nächten in Kalbarri sind wir direkt weiter gefahren nach Perth um hier die letzten beiden Nächte in einem Motel zu verbringen und Becki den großen Wunsch zu erfüllen, auch noch die Quokkas auf Rottnest Islad kennenzulernen. Leider war das Wetter eher verregnet und kalt, aber wir hatten trotzdem einen schönen Tag mit den lustigen Nagetieren. Ziemlich kaputt waren wir abends wieder im Motel, haben das Gepäck noch einmal überprüft, noch ein paar Runden Uno gespielt und uns gedanklich auf die weite Reise nach Deutschland vorzubereiten.

Die fünf Wochen in Deutschland lassen sich gar nicht in Worten beschreiben. Mir wurde dabei so viel Liebe entgegengebracht, dass es mir jetzt noch den Atem verschlägt. Ich dachte eigentlich, nach über einem Jahr Abwesenheit wäre vielleicht zwischen Freunden und mir eine gewisse Distanz entstanden, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich saß kaum mal einen Abend alleine auf der Couch, sondern war jeden Tag mit tollen Menschenund tollen Aktivitäten umgeben. Man kann sich einfach glücklich schätzen, so tolle Freunde zu haben. Außerdem: 3 Hochzeiten, mein 30. Geburtstag... eine bessere Zeit zum Zuhause sein hätte ich mir nicht wünschen können. Und auch wenn es traurig war, hatte ich auch die Gelegenheit, meinen Hund der mich seit 15 Jahren begleitet hat auf ihren letzten ATemzügen zu begleiten.

All die positiven Eindrücke haben mir trotz Vorfreude auf Troy den Abschied nicht leicht gemacht. Die Rückreise war super anstrengend. 24 Stunden Flugzeug und Flughäfen, mit Bus und Bahn nach Geelong (2 Stunden Fahrt) wo mei Auto stand, einen schnellen Kaffee mit Crystal (einer Freundin von Troy), die Roody gehütet hatte - und weiter zu 7 Stunden Autofahrt nach Rankins Springs, NSW. Gegen Ende des Tages dachte ich tatsächlich, ich muss einfach irgendwo anhalten und schlafen, aber irgendwann war ich dann endlich da. Die Farm auf der Troy jetzt arbeitet ist noch abgeschiedener als Pingrup, aber dafür sind die Leute ähnlich nett wie Acky und Sue. Wir haben unser eigenes Haus, aus dem wir die Mäuseplage langsam vertreiben (gestern haben wir 15 tote Mäuse aus dem Gehäuse der Tiefkühltruhe geholt) und es wird wohnlich. Jobmäßig ist leider noch nichts in Sicht, aber jeder hier hört sich für mich um und gibt sich Mühe.

Hier ist es jetzt 10:30 morgens und die Farm-Hunde warten schon auf mich. Nach anfänglicher Verwirrung, dass sich ein Zweibeiner ohne Auto mehr als 10 m bewegt begleiten sie mich jetzt mit Begeisterung beim Laufen. Bei den Zweibeinern bleibt allerdings die Verwirrung weiter bestehen ;-) ich werde wohl auch hier wie in Pingrup als "die, die läuft" in die Geschichte eingehen!!

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Freitag, 21.04.2017 Schreck beim Rennen

Dass Rennsport nicht der gesündeste aller Pferde-Sportarten ist, war mir natürlich immer klar. Die Pferde werden mit 1,5 Jahren angeritten, wenn sie noch mitten im Wachstum sind und werden teilweise noch, bevor sie zwei Jahre alt sind in Rennen gestartet. Ackys Pferde werden erst mit zwei angeritten, aber immer noch ist die Belastung für Knochen und Gelenke für die Youngsters enorm. Das war immer der Hauptgrund, dass ich mir eine Zukunft im Renngeschäft für mich nicht vorstellen kann. 

Letzten Sonntag hatten wir zwei Pferde am Start, Jetson Express und Galinba Blast. Jetson ist ein kleiner Spezialfall. Immer ein bisschen steif, immer mal ein Gelenk dick - aber eins von Ackys besten Pferden. Schon in der Woche vor dem großen Albany Cup muss er sich auf dem paddock vertreten haben und hatte ein dickes Vorderbein, was uns Sorgen machte. Es wurde also geschmiert, gewickelt, gekuschelt und er wurde soweit möglich geschont - aber Acky wollte ihn in dem Rennen laufen lassen. Es war schon ungewöhnlich, dass er morgens nicht auf den Hänger wollte (normalerweise geht er alleine). Beim Rennen angekommen, wollte er das Bull bit nicht ins Maul nehmen, ein Gebiss, dass die Pferde aus Sicherheitsgründen tragen müssen, wenn sie auf der Rennanlage geführt werden. Er wirkte allgemein nicht so zufrieden wie sonst bei einem Rennen. Aber mit Katastrophen habe ich nicht gerechnet. Das Pferd wurde also zum Start vorbereitet, startete in einer sehr guten Position und fiel nach kurzer Zeit schon stark zurück und ging als letzter durchs Ziel. Unglücklich, aber passiert. Acky und ich sind also Richtung Führplatz, wo die Pferde in Empfang genommen werden nach dem Rennen. Doch dann kam die Durchsage: Jetson Express ist gestürzt. Wir sind sofort losgerannt. Über den Platz, auf die Rennbahn. Dort stand der Jockey neben dem Pferd und Jodi, die eines der Begleitpferde der Rennbahn reitet hatte Jetson am Zügel. Sie rief Acky schon von weitem zu, er solle den Hänger auf die Rennbahn holen. Ich bin alleine weiter gegangen um ihr das Pferd abzunehmen. Sie kennt Ackys Pferde, sie arbeitet für einen Trainer, der sie trainiert, wenn Acky kein “horse girl“ hat. Als ich ankam weinte sie und ich schnappte ein paar Sätze auf, die sie ins Funkgerät sagte “Joint...broken or tendon“. Daraufhin habe ich mir die Beine angeguckt. Das vordere Fesselgelenk hat, wenn das Pferd belastet hat den Boden berührt. Ich kann euch nicht sagen, wie schlecht mir bei dem Anblick geworden ist. Offensichtlich hat der Jockey schon nach 300 m gemerkt, dass was nicht stimmt, aber er konnte Jetson nicht stoppen. Er ist die vollen 2200 m damit galoppiert. Es dauerte nicht lange, bis der Tierarzt angefahren kam und mir das Pferd abnahm. Da konnte ich auch meine Tränen nicht mehr stoppen. Besonders, als davon gesprochen wurde, ihn auf den Hänger zu verladen und zu erschießen. Zum Glück hat man sich dann aber doch dagegen entschieden. Wir haben ihn schweren Herzens in Albany bei Jodi gelassen. Blast hat sein Rennen übrigens gewonnen. Mit Abstand. Fortuna ist manchmal grausam sarkastisch.

Der Tierarzt kam am nächsten Tag zu Jetson. Zumindest ist das Gelenk nicht gebrochen, aber offensichtlich sind alle Sehnen und Bänder gerissen, die es stabilisieren. Die optimistische Prognose ist, das Bein ein paar Wochen bandagiert zu lassen und ihm dann ein Leben auf dem Paddock in der Herde zu gönnen. Ich bin angesichts der Verletzung etwas pessimistischer, aber Jetson ist wieder Zuhause, freut sich über jede Streicheleinheit und hätte ein Leben in Ruhe auf dem paddock sicher verdient. Auch wenn es für mich als Freizeitreiter mehr als tragisch ist, dass ein 7 Jahre altes Pferd für immer eingeschränkt sein wird, wegen des Ehrgeizes der Menschen!

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Mittwoch, 05.04.2017 Herbst in Pingrup

Ach meine Lieben, es ist schon komisch. Während es bei uns langsam kälter und unbeständiger wird, kommt bei euch der wohlverdiente Frühling an. Der ganze südliche Westen Australiens ist mit den Vorbereitungen für das sähen beschäftigt. Dazu gehört unter anderem, die Überbleibsel der Pflanzen von letztem Jahr abzubrennen. Was vor ein paar Wochen noch einen Grossbrand ausgelöst hätte, ist jetzt ohne Risiko möglich. Wenn man nachts durch die Felder fährt, sieht man überall kleine schwelende Feuer und die Sonnenuntergänge wirken mit dem roten Licht gemischt mit dem Rauch richtig mystisch. Der Geruch erinnert mich sehr an die Lagerfeuer auf den Mittelalter-Märkten und macht mich immer ein bisschen wehmütig. Als typische Deutsche wollte ich natürlich Brotteig vorbereiten und über einem der Feuer Stockbrot backen, aber die Feuer sind leider zu klein und haben nicht genug Hitze. Wir haben inzwischen auch unseren Kamin im blauen Haus in Betrieb genommen und genießen das Geknister fast jeden Abend.

Während Troy immer noch vergeblich darauf wartet, dass endlich die arbeitsreiche Seeding-Zeit anfängt, genieße ich es in vollen Zügen, alleine für die Pferde zuständig zu sein. Wenn es morgens noch kühl ist, fühlt es sich fast so an wie ein deutscher Frühlingsmorgen und ich kann es auch nach all den Monaten nicht fassen, dass ich für diesen Job bezahlt werde. Gerade heute bin ich wieder in Begleitung des Farmhundes und ein paar Kängurus über die Felder geritten, wo langsam wieder die Blumen erblühen nach dem Regen von letzter Woche und ich hätte die Welt einfach umarmen können. Nachdem es mit meiner Kollegin damals ja manchmal sowohl mit den Pferden als auch im Haus ein paar Meinungsverschiedenheiten gab, ist es eine große Erleichterung, alle Dinge die Pferde betreffend einfach selbst entscheiden zu können. Und Acky hat volles Vertrauen zu mir und lässt mir weitestgehend freie Hand.

Da unser geliebter Acky sehr viele Vorzüge hat, aber auch sehr wankelmütig in seinen Entscheidungen ist, haben Troy und ich dieses Wochenende nochmal einen letztes-freies-Wochenende-vor-seeding-Trip. Mal sehen wie viele noch folgen, da Acky teilweise innerhalb einer Stunde dreimal unterschiedliche mögliche Daten für den Start nennt. Wir verzeihen ihm das natürlich gerne und nutzen die Gelegenheit, dieses Wochenende nochmal ins vier Stunden entfernte Perth zu fahren.

Übrigens steht der östliche Teil Australiens grade komplett unter Wasser. Ich sehe mich also als sehr glücklich, dass ich keinen der Jobs in Queensland angenommen habe. Ein Orkan hat dort Millionenschäden angerichtet und nicht nur unzählige Orte überflutet, sondern auch Krokodile in Bereiche geschwemmt, wo sie sonst nicht heimisch sind. 

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Montag, 27.03.2017 Siegestaumel und Brothimmel

Die Pingrup races waren tatsächlich ein Erlebnis wert. So viele Menschen habe ich noch nie in Pingrup gesehen. Mindestens... 250. Schon die Tage vorm Rennen waren alle aufgeregt und wollten den Race Track für die Rennen herrichten. Das hatte zwar den Effekt, dass dauernd fünf neue Jobs erledigt haben, die alleine einfacher gewesen wären, aber am Ende hat alles geklappt. Der arme Troy wurde ziemlich mit Beschlag belegt. Ich bin eigentlich eher als moralische Unterstützung zu den ganzen Jobs mitgefahren. Samstags war es dann so weit. Die Pferde morgens versorgt, Blast für den Pingrup cup auf Hochglanz poliert, für ein schnelles Lunch nach Hause und dann zum Rennen. Ich bin eigentlich fast nur hin und her gefahren, habe Pferde verladen, Getränke zur Bar getragen, einem aufgeregten Acky geholfen und bin schließlich mit Troy zum Hof gefahren, um Blast abzuholen. Inzwischen muss ich für die ganze Vorbereitung der Rennen zum Glück nicht mehr nachdenken und Acky war sicherlich froh, dass er eigentlich nur zum Satteln vorbei kommen musste (das muss vom Trainer des Pferdes erledigt werden). Blast (mit 10 Jahren mit Abstand das älteste Pferd) hat nicht nur tatsächlich gewonnen, sondern war von der ersten Sekunde bis zur letzten in Führung. Acky hat sogar ein paar Tränen vergossen. Für uns hat es sich also tatsächlich mehr als gelohnt! Nachdem Troy und ich das Pferd nach Hause gebracht haben und alles für die Nacht fertig gemacht hatten, sind wir zurück zur Rennbahn gefahren und dann hieß es auch für mich endlich feiern! Da die Wetten auf Pferde inzwischen vorbei waren, gab es jetzt Münzwerfen deluxe: es wurde mit einem Seil ein Zirkel mit etwa 3m Durchmesser gezogen, in der Mitte stand eine Person mit einem kleinen Hölzchen auf das zwei Münzen gelegt wurden. Dann konnte man Wetten abschließen: Kopf oder Zahl. Ich habe innerhalb von 3 Runden 150$ gewonnen, nach weiteren 5 war ich die dann auch wieder los. Acky hatte sicherlich schon 2-3 Bier getrunken und rief jedes mal wenn er gewettet hatte “Galinba Blast, come on Blasti“. Ehrlich gesagt war er die viel größere Attraktion. Nachdem der Bar das Bier ausgegangen war, sind wir alle 400 m weiter gepilgert und im Pub gelandet. Die Inhaber des Pubs erzählen schon seit ich das erste mal dort war, dass sie den Pub demnächst schließen, weil es sich nicht mehr lohnt - aber der raceday ist definitiv der Tag des Jahres für den Pub. Ich habe noch nie mehr als 15 Leute gleichzeitig dort gesehen, aber letzte Woche musste ich einmal sogar anstehen um zur Toilette zu gehen! Wie der nächste morgen für uns aussah könnt ihr euch ja wahrscheinlich vorstellen. Troy konnte ausschlafen, ich habe mich ohne Frühstück zu den Pferden gequält. Acky warf mir einen Blick zu und empfahl mir, die Pferde vielleicht lieber zu longieren als zu reiten. Ich war wohl noch ein bisschen blass um die Nase ;-)

Dieses Wochenende haben Troy und ich uns nochmal aufgemacht um einen Tag zu campen. (Natürlich ist uns wieder eine Stunde vor Abfahrt aufgegangen, dass wir vergessen haben die Luftmatratze zu flicken). Es ging nochmal nach Albany, wo wir am nächsten Morgen auf einem Aussichtspunkt mit Blick aufs Meer den Camping-Kocher ausgepackt haben und Bananen-Pfannkuchen in der Sonne gefrühstückt haben. Dann kam das eigentliche Highlight: wir sind in einem Laden für Küchen-Bedarf gelandet und die hatten eine ganze Ecke mit mindestens 20 verschieden deutschen Brotbackmischungen. Ich fühlte mich wie im Himmel. Troy hat die Welt nicht verstanden, warum ich aus dem Staunen und der Freude gar nicht mehr raus kam. Es ist übrigens eine Mischung für Pumpernickel geworden. Troy hatte in einem Ort der auf dem Rückweg ungefähr 1,5 Stunden Umweg bedeutete eine Show ausgespäht. Nach ein bisschen shoppen, bummeln und Seele baumeln sind wir losgefahren. Ungefähr fünf Kilometer vor dem Ort habe ich dann das Schild für die Show gesehen: 1. April. Dieses Detail war Troy offenbar entgangen (oder es war ein vordatierter April-Scherz). Aber was sind schon 1,5 Stunden Umweg in Australien. Irgendwo auf dem Weg haben wir dann noch ein chinesisches Restaurant gefunden und zum Lunch gehalten und waren abends früh genug Zuhause, dass ich ein erstes Probebrot backen konnte. Meilen besser als jedes australische Brot, wenn auch nicht konkurrenzfähig mit deutschen Originalen. Aber da ich in 1,5 Monaten ja so viel Brot essen kann, wie ich will ist es erstmal ein guter Kompromiss!

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